Mein Leben ‘zwischendrin’ | My life in-between

In der Kulturwissenschaft der Amerikanistik gibt es den Begriff  “Third Space”. Der Third Space  beschreibt die Situation einer Person, die aus zwei Kulturen stammt und weder die eine, noch die andere ist. Also jemand, der zwischen den Kulturen lebt.

Ich selbst bin eine Person zweier Kulturen bin (deutsch und amerikanisch) und es ist nicht immer ganz einfach. Es gibt viele Vorteile, aber auch Nachteile, die ich gerne mit euch teilen möchte.

In American Studies, more specifically in the culture studies, there is a term “third space”. Third space describes the situation of a person, who comes from two cultures and is neither the one, not the other. So someone, who lives in between the cultures.

I myself am a person of two cultures (German and American) and it is not always that easy. There are many advantages, but also disadvantages, which I want to share with you.

(Click for English Version)

Wenn mich jemand nach meiner Herkunft fragt, antworte ich “Deutsch-Amerikanisch”. Meine Mutter ist Amerikanerin, mein Vater ist Deutscher, also habe ich beide Staatsbürgerschaften seit meiner Geburt. Zwei Staatsbürgerschaften haben einige Vorteile: ich habe Rechte in beiden Ländern und habe immer die kürzere Schlange bei der Einreise am Flughafen, da ich mit meinen Pässen mehrere Schlangen zur Auswahl habe. Ich wurde zweisprachig erzogen, also spreche, lese und schreibe ich in beiden Sprachen fließend. Fast jährlich besuche ich meine Familie und Freunde in den USA und wann auch immer ich will, kann ich dorthin, da ich weiß, dass ich irgendwo immer ein Zuhause habe. Mit zwei Kulturen aufzuwachsen war immer spannend. Ich lerne zwei Seiten der Welt kennen und nehme mir aus jeder Welt die Teile heraus, die ich toll und ansprechend finde. Die Mischung aus den zwei Welten formt meinen Charakter und wird mich mein Leben lang immer begleiten.

Du wirst dich jetzt fragen: “Ja und? Was ist jetzt daran so schwer?”. Es klingt alles ziemlich super, oder? Ja, ist es, aber es gibt noch eine andere Seite der Geschichte. Da ich mit amerikanischen und deutschen Traditionen, Eigenschaften und beide Länder regelmäßig erlebe, bin ich weder komplett deutsch noch komplett amerikanisch. Ich stecke in einem Dilemma, oder wie es manche vielleicht kennen: im Third Space. Wenn ich in Deutschland bin, vermisse ich die USA und anders herum. Wenn ich in einem Land bin, scheint ein Teil von mir verloren gegangen zu sein. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie ich mich entscheiden würde, wenn ich zwischen den Staatsbürgerschaften wählen müsste – es ist schlichtweg unmöglich. Eine auszuschließen heißt für mich, dass eine Hälfte von mir fehlen würde. Meine Identität wäre nicht vollständig.

Menschen, die nur eine Staatsbürgerschaft haben, erleben dieses Dilemma nicht. Sie gehören in eine “Schublade”; ich kann nicht in eine spezifische gesteckt werden. Eine Seite weglassen oder der anderen unterzuordnen ist für mich einfach falsch. Das ist nicht, wer ich bin. Ich bin Deutsch-Amerikanerin. Punkt. Auch wenn es manchmal schwer ist zu definieren, ich persönlich mochte es schon immer, Teil von zwei Welten zu sein. Nicht viele haben dieses Privileg und ich genieße jeden Moment davon. Also, was ist so schlimm daran, dass ich nicht in eine Schublade gesteckt werden kann? Ich bin glücklich, dass ich die Möglichkeit habe, zu zwei Ländern dazuzugehören und dass sie ein Teil von mir sind. Das Gefühl, nicht einem Land zugeordnet zu sein stört mich nicht, da ich es nie anders kannte.

Manchmal frage ich mich, ob es einfacher wäre, nur zu einer Welt dazu zugehören; aber ich werfe den Gedanken so schnell wie er mir kam, wieder weg. Teile von beiden Ländern, deren Gewohnheiten, Kulturen, Erziehung und Traditionen gehören gleichermaßen zu mir. Das Zitat “Home is, where the heart is.” (deutsch: Zuhause ist, wo das Herz ist), passt sehr gut zu mir. Mein Herz ist geteilt – in den USA und Deutschland, demnach ist mein Zuhause in zwei Ländern. Und nichts, aber auch gar nichts, wird sich daran je ändern.

(Dieser Artikel erschien unter “A life in-between: Delights and dilemmas in a German-American world” in einem Unimagazin in der Januar 2010 Ausgabe.)

Lebst du auch in einem Third Space? Wie fühlt es sich für dich an? Mich interessiert deine Erfahrung – schreibe sie in den Kommentaren!

 

– English Version (cont.)

When asked for my heritage, I respond “German-American”. Being born to an American mother and a German father, gave me both citizenships from day one. Having two citizenships has many advantages: I have civil rights in two countries and always get into the shorter line at customs in the airport, because of being able to choose which passport I show at the counter. I was raised bilingually, which means I speak, read and write both languages fluently. A yearly visit to my family and friends in the US is mandatory and whenever I want to I can travel there, knowing that I have some place to stay. Growing up with two cultures has always made my life interesting. I get to know two sides of the world, taking bites and pieces of each that interests and attracts me. This combination of the two worlds formed my character and continues to guide me through my whole life.

“What’s the big deal?”, you might ask now. It all sounds pretty great, right? It is, but there is another side of my story, too. By being raised with American and German traits, traditions and experiencing both countries regularly, I am neither completely German, nor completely American. I am in a dilemma, or as some of you know it, a third space. I am something in between. While I am in Germany, I miss the US and vice versa. When I am in one country, part of me seems to be lost. I cannot even imagine how I would decide, if I had to choose between both citizenships – because I know that it would be impossible for me. Excluding one of them would mean that half of me would be missing. My identity would be incomplete.

People who have only one citizenship do not experience this dilemma. They belong into one ‘drawer’; I cannot be put into one specifically. Leaving out the one side or subordinating one to the other simply sounds wrong to me. That is not who I am. I am a German-American. Period. Even though it is sometimes difficult to define, I personally always liked being part of two worlds. Not many people have this privilege and I cherish every moment. So what if I cannot be put into one specific drawer. I am happy that I was given the opportunity to be part of two countries and them being a part of me. The feeling of not belonging to one country alone does not really bother me too much, since I never felt differently.

Sometimes I wonder if it would be easier to just have one citizenship, but I withdraw that thought as fast as it comes to me. Parts of both countries, their habits, cultures, education and traditions belong to me equally. The saying “Home is, where the heart is”, for me, is very true. My heart is in the United States and Germany, making both countries my home. And nothing will ever change that.

(This article was published as “My life in-between” in a university magazin in their January 2010 edition.)

Do you live in a Third Space as well? How does it feel like for you? Share your experience in the comments below – I love to hear different experiences!